Du kommst um zehn Uhr abends aus dem Büro, lässt dich aufs Sofa fallen und fragst dich: Was habe ich heute eigentlich gemacht? Beschäftigt warst du. Produktiv vielleicht nicht. Und das jeden Tag.
Der Reflex ist immer derselbe: härter arbeiten, früher aufstehen, an deinen Schwächen feilen. Genau das ist die Falle. Du reibst dich an Aufgaben auf, für die du nicht gemacht bist – und merkst nicht, dass nicht dein Wille zusammenbricht, sondern das System unter dir.
Sirollis Trinity of Management
Vor ein paar Jahren bin ich auf den TED-Talk von Ernesto Sirolli gestoßen, „Want to Help Someone? Shut Up and Listen!“. Ein Satz hat sich bei mir eingebrannt: Jedes Unternehmen, ob klein oder groß, muss drei Dinge perfekt können – ein großartiges Produkt machen, es großartig verkaufen und das Geld im Griff haben. Und Sirollis Pointe: „We have never met a single human being in the world who can make it, sell it and look after the money. This person has never been born.“
Das war für mich der Aha-Moment. Ich konnte plötzlich erklären, warum ich eine fremde Bilanz in zwei Minuten lese, sie aber nicht selbst erstellen will. Warum mir Strategien leichtfallen und das Klein-Klein der Umsetzung mich auffrisst. Ich bin der, der Produkte und Ideen baut. Punkt. Der Versuch, gleichzeitig Vertriebler und Finanzchef zu sein, hat mich Jahre gekostet – und viel Geld.
Die Frage an dich
Welcher Typ bist du? Drei Leitfragen helfen:
- Wo brennst du? Beim Tüfteln am Produkt, beim Verkaufsgespräch, bei dem Moment, in dem du auf Heller und Cent weißt, wie dein Cashflow nächsten Monat aussieht?
- Wo verzweifelst du? Welche der drei Aufgaben schiebst du seit Wochen vor dir her, weil sie dir auf die Substanz geht?
- Wer fängt dich auf? Hast du jemanden, der die zwei Felder besetzt, in denen du schwach bist – oder landet das am Ende doch alles wieder auf deinem Schreibtisch?
Die unbequeme Erkenntnis: Wenn du in zwei der drei Felder schwach bist und niemand sie besetzt, hältst du dein Unternehmen mit Disziplin am Laufen. Das geht eine Weile – und dann bezahlst du den Preis. In Familie, in Freundschaft, in Lebenszeit.
Block dir morgen 30 Minuten. Nimm ein leeres Blatt, male drei Spalten – Produkt, Vertrieb, Finanzen – und schreibe in jede, wer das in deinem Unternehmen heute wirklich macht. Da, wo nur dein Name steht oder gar keiner: das ist die Lücke, die du als nächstes besetzt. Mit einem Mitarbeiter, einem Berater, einem Sparringspartner. Aber nicht mehr mit dir selbst.